ZIP 2018, 1736

RWS Verlag Kommunikationsforum GmbH, Köln RWS Verlag Kommunikationsforum GmbH, Köln 0723-9416 Zeitschrift für Wirtschaftsrecht ZIP 2018 RechtsprechungVertrags- und Haftungsrecht BGB § 823 Abs. 2; StGB § 266 Abs. 1Zur Vermögensbetreuungspflicht aufgrund schuldrechtlicher Verpflichtung als Voraussetzung der Untreue-Strafbarkeit BGB§ 823 StGB§ 266 BGH, Urt. v. 24.04.2018 – VI ZR 250/17 (OLG Frankfurt/M.)BGHUrt.24.4.2018VI ZR 250/17OLG Frankfurt/M.

Leitsätze des Gerichts:

1. Bei § 266 Abs. 1 StGB handelt es sich um ein Schutzgesetz i. S. d. § 823 Abs. 2 BGB (im Anschluss an Senatsurt. v. 10. 7. 2012 – VI ZR 341/10, ZIP 2012, 1552 = NJW 2012, 3439, Rz. 13; v. 25. 5. 2010 – VI ZR 205/09, BGHZ 185, 378, Rz. 6).
2. Untreue setzt sowohl in der Variante des Missbrauchs- (§ 266 Abs. 1 Alt. 1 StGB) als auch in derjenigen des Treubruchtatbestands (§ 266 Abs. 1 Alt. 2 StGB) voraus, dass dem Täter eine Vermögensbetreuungspflicht obliegt und er diese verletzt. Eine solche Pflicht ist gegeben, wenn der Täter in einer Beziehung zum (potentiell) Geschädigten steht, die eine besondere, über die für jedermann geltenden Pflichten zur Wahrung der Rechtssphäre anderer hinausgehende Verantwortung für dessen materielle Güter mit sich bringt (im Anschluss an BGH, Urt. v. 9. 11. 2016 – 5 StR 313/15, BGHSt 61, 305, Rz. 33; vgl. Senat BGHZ 185, 378, Rz. 9).
3. Allgemeine schuldrechtliche Verpflichtungen, insbesondere aus Austauschverhältnissen, reichen nicht aus, und zwar auch dann nicht, wenn sich hieraus Rücksichtnahme- oder Sorgfaltspflichten ergeben. In der Regel wird sich eine Treuepflicht nur aus einem fremdnützig typisierten Schuldverhältnis ergeben, in welchem der Verpflichtung des Täters Geschäftsbesorgungscharakter zukommt. Bei rechtsgeschäftlicher Grundlage kommt es im Einzelfall auf die vertragliche Ausgestaltung des Rechtsverhältnisses an (im Anschluss an Senatsbeschl. v. 1. 6. 2010 – VI ZR 346/08, NJW-RR 2010, 1683, Rz. 9; BGHZ 185, 378, Rz. 9).
4. Die Pflicht, Vermögensinteressen eines anderen wahrzunehmen, kann durch ein Rechtsgeschäft zwischen dem Verpflichteten und einem Dritten begründet werden (im Anschluss an BGH, Urt. v. 23. 3. 2000 – 4 StR 19/00, NStZ 2000, 375, 376).
5. Zur Vermögensbetreuungspflicht eines (IATA-)Vertriebsagenten gegenüber einer Fluggesellschaft hinsichtlich der durch den Agenten eingezogenen Entgelte für die von ihm vertriebenen Flugscheine (vgl. BGH, Urt. v. 27. 6. 2005 – II ZR 113/03, ZIP 2005, 1414 = NZG 2005, 755 f.; v. 21. 12. 1973 – IV ZR 158/72, BGHZ 62, 71, 80).

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