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Kryptowährungen im Insolvenzverfahren - Sicherung, Behandlung, Verwertung und mehr (d’Avoine/Hamacher, ZIP 2022, 6)

Der Insolvenzverwalter ist verpflichtet, Vermögenswerte und insbesondere Kryptowährungen zu sichern und zu verwerten. Dieser Aufsatz zeigt Hintergründe, Vorgehen und praktische Schwierigkeiten aber auch konkrete Lösungsansätze zur sachgerechten Behandlung von Kryptowerten in der Insolvenz auf.

A. Einleitung
B. Grundlegende Technik von Cyberdevisen

I. Blockchain
II. Token und Coins
1. Currency Token
2. Investment Token
3. Utility Token
4. Zwischenfazit
III. Wallet
1. Anbieterunabhängige Wallets
2. Anbieterabhängige Wallets
C. Behandlung in der Insolvenz
I. Kryptowerte als Teil der Insolvenzmasse
II. Kenntniserlangung
D. Verwertung in der Insolvenz
I. Verwertung einer anbieterunabhängigen Wallet
II. Verwertung einer anbieterabhängigen Wallet
E. Fazit


A. Einleitung

Was sind Krypotowährungen, Blockchain, Krypto, Coins oder Token? Die Fragen rund um Cyberdevisen werden mehr und mehr von Marktteilnehmern aber auch interessierten Anlegern gestellt. Dabei werden Kryptowährungen von dem einen als „neumodische unsichere Erscheinung“ markiert und von dem anderen als zukunftsträchtiges Handels- und Spekulationsmodell gefeiert. Bei der Einordnung der Begriffe spielen Emotionen und Vorerfahrungen mit Finanzprodukten eine wesentliche Rolle. Objektiv betrachtet handelt es sich bei Kryptowährungen schlicht um digitale Vermögenswerte. Hieran können Anteile gehalten werden. Diese sind handelbar und können auch als Tauschmittel fungieren. Die Besonderheit liegt darin, dass Kryptowährungen nicht unmittelbar staatlich kontrolliert oder reguliert werden. Dies trägt zu dem weit verbreiteten Bild bei, Kryptowährungen seien anonym und Transaktionen nicht nachvollziehbar. Das ist in dieser Einfachheit nicht richtig.

Inzwischen gibt es mehr als 10.000 verschiedene Krypto-Projekte. Das weltweite Handelsvolumen der Top 100 Kryptowährungen beträgt derzeit mehrere Milliarden Euro pro Tag. Die bekannteste Kryptowährung ist der Bitcoin (BTC). Hierbei handelt es sich um einen ersten erfolgreichen Versuch, digitales „Geld“ zu etablieren. Der im Jahr 2009 erfundene Bitcoin basiert dabei auf einer von allen Teilnehmern gemeinsam verwalteten dezentralen Datenbank, der Blockchain. Sie ist eine öffentlich einsehbare und von allen Nutzern geteilte Datenbank, in der Transaktionsdaten gespeichert werden.

Im Gegensatz zu Banknoten, die durch eine Zentralbank ausgegeben werden, werden Bitcoins durch die computerbasierte Lösung kryptographischer Aufgaben, das sog. „Mining“, erschaffen. Das Kreieren neuer Blöcke der Blockchain erfordert enorme Rechenleistungen und gleichsam enormen Energieeinsatz. Die Aufwendungen in Technik und der Energiebedarf steigen immer weiter. Eine Grenze ist – theoretisch – in Sicht, weil die maximale Menge von existierenden Bitcoins auf 21 Mio. beschränkt ist. Ende November 2021 waren bereits 18.86 Mio. Bitcoins im Umlauf. Insbesondere durch diese Beschränkung ist der Bitcoin die letzten Jahre erheblich im Wert gestiegen. Die Markkapitalisierung allein des Bitcoins beläuft sich derzeit auf rund 1.193.545 Mrd. USD.

Aber auch die Alternativen zum Bitcoin, sog. „Altcoins“, zeigen eine beeindruckende Entwicklung. Die bekanntesten Altcoins sind Ether (ETH), Tether (USDT), Ripple (XRP), Chain Link (LINK), Binance Coin (BNB) oder Bitcoin Cash (BCH). Allen Kryptowährungen gemein ist, dass inzwischen jede Privatperson ohne Hintergrundwissen per App oder online in digitale Währungen investieren, kaufen und verkaufen und diese zum Teil auch im Zahlungsverkehr nutzen kann.

Nach dieser Einleitung (A.) sollen die grundlegende Technik (B.) dargestellt werden, um aufbauend hierauf, die Sicherung, Behandlung und Verwertung von Kryptowährungen in der Insolvenz (C.) näher zu beleuchten.

B. Grundlegende Technik von Cyberdevisen
Die grundlegende Technik jeder Kryptowährung gleicht sich in einigen Punkten. Zunächst existieren die Einheiten lediglich digital. Sie werden nicht von einem zentralen und staatlich organisierten Kreditinstitut emittiert, sondern durch einen Algorithmus unmittelbar im Netz geschaffen (Mining). Die so geschaffene Kryptoeinheit kann nicht heruntergeladen werden.

I. Blockchain
Die meisten Kryptowährungen bauen auf der Blockchain-Technologie auf. Die Blockchain ähnelt dabei einem digitalen Kontenbuch. Aus technischer Sicht ist es ein digitales, chronologisch aufgebautes, dezentrales und ...
 



Verlag Dr. Otto Schmidt vom 12.01.2022 11:20
Quelle: Verlag Dr. Otto Schmidt

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