Krankenhaus 14 Nothelfer: Sanierung in der Planinsolvenz

30.07.2020

Wiederaufnahme geriatrische Notfallversorgung und Konzeptentwicklung für Gebäude /

Akutstationäre Versorgung mit ehemals 344 Mitarbeitern bleibt betriebsbereit

WEINGARTEN (MCB), 29. JULI 2020. Das Krankenhaus 14 Nothelfer in Weingarten soll in einer Planinsolvenz saniert werden. Gestern wurde am Amtsgericht Ravensburg Insolvenz wegen drohender Zahlungsunfähigkeit beantragt. Die geriatrische Versorgung älterer Menschen wird wieder aufgenommen und soll bei Bedarf erweitert werden. In Abstimmung mit der Stadt Weingarten soll für das Gebäude ein Nutzungskonzept entwickelt werden. Dagegen werden keine chirurgischen Patienten mehr akutstationär versorgt. Das Krankenhaus, in dem 2019 noch 344 Mitarbeiter beschäftigt waren, wird seit Ende März als Corona-Reserve des Landes betriebsbereit gehalten.

Der Gemeinderat der Stadt Friedrichshafen hatte am vergangenen Montag der Durchführung einer Planinsolvenz zugestimmt. Zuvor hatten die zuständigen Gremien es abgelehnt, diesen Betrieb mit seinen jahrelangen hohen Verlusten weiter zu finanzieren und die Kosten zu übernehmen. Deshalb drohte jetzt die Zahlungsunfähigkeit.

Die Gesellschafter Klinikum Friedrichshafen und Stadt Weingarten hatten frühzeitig reagiert, um weitere Verluste durch einen Weiterbetrieb und hohe Kosten durch die ursprünglich geplante Schließung zum 30. September 2021 zu vermeiden. Da das Krankenhaus 14 Nothelfer mit dem Projekt der Geriatrischen Notfallversorgung (GeriNoVe) einen fortführungsfähigen Kern besitzt, soll es über eine Planinsolvenz in Form einer Eigenverwaltung saniert werden. Die Geschäftsführung bleibt bei diesem gerichtlich überwachten Verfahren im Amt und wird von der auf insolvenzrechtliche Sanierungen spezialisierten Berliner Kanzlei GT Restructuring beraten.

„Im ersten Schritt eröffnen wir wieder das seit März geschlossene Geriatrische Notfallversorgungszentrum für ältere Menschen in einer akuten sozialen oder pflegerischen Notsituation. Das Grundstück möchten wir mit der Stadt Weingarten bedarfsgerecht entwickeln und bis zum Sommer 2021 einen Insolvenzplan mit dem Ausbau von GeriNoVe sowie der Nutzung des Grundstücks vorlegen, um alle Gläubiger angemessen zu befriedigen. In den nächsten Tagen werden wir deshalb Gespräche mit allen Beteiligten aufnehmen", erklärte Rechtsanwalt Christian Köhler-Ma von GT Restructuring, der neben Margita Geiger zum Geschäftsführer bestellt wurde. Bereits Ende August soll das Insolvenzverfahren eröffnet werden.

Alle Maßnahmen werden mit dem vom Gericht eingesetzten vorläufigen Gläubigerausschuss abgestimmt, in dem die Stadt Weingarten und das Stadtwerk am See vertreten sind. „Im Auftrag des Gerichts werde ich das Verfahren überwachen. Keine Gläubiger, weder die Stadt Weingarten noch andere, dürfen benachteiligt werden. Darauf werde ich achten", so Rechtsanwalt Michael Pluta von der Pluta Rechtsanwalts GmbH in Ulm, den das Amtsgericht Ravensburg zum vorläufigen Sachwalter bestellte.

„Obwohl wir keine akutstationären Behandlungen mehr anbieten, wollen wir eine gute Versorgung der Bevölkerung in und um Weingarten sicherstellen. Deshalb möchten wir uns auf das Projekt der geriatrischen Notfallversorgung konzentrieren - ein Innovationsprojekt, das vom Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) mit 4,6 Millionen Euro gefördert wird. Hier sehen wir das Potential, eine bestehende Lücke in der Versorgung betagter Menschen zu schließen“, erklärte Geschäftsführerin Margita Geiger. In der Nachbarschaft vom Krankenhaus 14 Nothelfer befinden sich zudem ein Ärztehaus mit Apotheke und Sanitätsgeschäft sowie Häuser der Akutversorgung. Das Elisabethen-Krankenhaus Ravensburg ist nur drei Kilometer, die Klinik Tettnang 18 Kilometer und das Klinikum Friedrichshafen 27 Kilometer entfernt.

Von den 344 Mitarbeitern des Krankenhauses 14 Nothelfer sind im vergangenen Jahr rund 260 zu anderen Kliniken des Medizin Campus Bodensee gewechselt, andere haben gekündigt. Derzeit werden noch 37 Mitarbeiter beschäftigt, die aber weiterhin zu anderen Kliniken der Gruppe wechseln können, soweit sie nicht im Projekt GeriNoVe tätig sind.

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