ZIP 2016, 722

RWS Verlag Kommunikationsforum GmbH, Köln RWS Verlag Kommunikationsforum GmbH, Köln 0723-9416 Zeitschrift für Wirtschaftsrecht ZIP 2016 RechtsprechungVertrags- und Haftungsrecht HGB § 377 Abs. 1; BGB § 438 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. b, Nr. 3Darlegungs- und Beweislast des Schuldners für Verjährung auch bei verschiedenen Verjährungsfristen für Mängelansprüche HGB§ 377 BGB§ 438 BGH, Urt. v. 24.02.2016 – VIII ZR 38/15 (OLG Dresden)BGHUrt.24.2.2016VIII ZR 38/15OLG Dresden

Leitsätze des Gerichts:

1. Die Anforderungen an die Untersuchungs- und Rügeobliegenheit eines Käufers im Rahmen eines beiderseitigen Handelsgeschäfts sind letztlich durch eine Abwägung der Interessen des Verkäufers und des Käufers zu ermitteln (im Anschluss an BGH, Urt. v. 17. 9. 2002 – X ZR 248/00, BGHReport 2003, 285, unter II 1 b). Dabei ist einerseits das Interesse des Verkäufers zu berücksichtigen, sich nicht längere Zeit nach der Ablieferung der Sache dann nur schwer feststellbaren Gewährleistungsrechten ausgesetzt zu sehen. Andererseits dürfen die Anforderungen an eine ordnungsgemäße Untersuchung nicht überspannt werden (Bestätigung der Senatsurteile v. 14. 10. 1970 – VIII ZR 156/68, WM 1970, 1400, unter 3; v. 16. 3. 1977 – VIII ZR 194/75, NJW 1977, 1150, unter II 2 b; vgl. auch Senatsurt. v. 24. 1. 1990 – VIII ZR 22/89, BGHZ 110, 130, 138 = ZIP 1990, 650).
2. Der Schuldner, der sich auf den Eintritt der Verjährung als rechtsvernichtenden Umstand beruft, ist darlegungs- und beweisbelastet dafür, dass die Voraussetzungen der von ihm in Anspruch genommenen Verjährungsvorschrift vorliegen. Diese Grundsätze gelten auch dann, wenn das Gesetz für einen bestimmten Anspruch je nach Fallgestaltung verschieden lange Verjährungsfristen vorsieht (im Anschluss an BGH, Urt. v. 19. 1. 2006 – III ZR 105/05, BGHZ 166, 29, 33 ff. = ZIP 2006, 382; BGH, Urt. v. 20. 5. 2003 – X ZR 57/02, NJW-RR 2003, 1320, unter 2 b m. w. N.). Daher trägt der Verkäufer einer Sache, der sich auf den Ablauf der zweijährigen Verjährungsfrist des § 438 Abs. 1 Nr. 3 BGB beruft, die primäre Darlegungslast und die Beweislast dafür, dass kein Verjährungstatbestand vorliegt (hier: § 438 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. b BGB), der eine längere Verjährungsfrist vorsieht.

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