ZIP 2009, 908

RWS Verlag Kommunikationsforum GmbH, KölnRWS Verlag Kommunikationsforum GmbH, Köln0723-9416Zeitschrift für WirtschaftsrechtZIP2009RechtsprechungGesellschafts- und KapitalmarktrechtAktG §§ 327a ff., 245 Nr. 1; BGB § 607; WpHG § 22 Abs. 1 Satz 1, § 28Squeeze out mit Kapitalmehrheit aufgrund Wertpapierdarlehens („Wertpapierdarlehen“)AktG§ 327aAktG§ 245BGB§ 607WpHG§ 22WpHG§ 28BGH, Urt. v. 16.03.2009 – II ZR 302/06 (OLG München ZIP 2006, 2370) +BGHUrt.16.3.2009II ZR 302/06OLG MünchenZIP 2006, 2370

Leitsätze des Gerichts:

1. Die Beschaffung der für einen Squeeze out gem. § 327a Abs. 1 Satz 1 AktG erforderlichen Kapitalmehrheit von 95 % auf dem Wege eines Wertpapierdarlehens (§ 607 BGB) ist grundsätzlich kein zur Nichtigkeit oder Anfechtbarkeit des Übertragungsbeschlusses führender Rechtsmissbrauch. Das gilt auch dann, wenn der Darlehensnehmer eine Veräußerung der ihm zu Eigentum überlassenen Aktien nicht beabsichtigt und wenn einzelne Vermögensrechte aus ihnen (Dividende, Bezugsrechte) schuldrechtlich dem Darlehensgeber gebühren sollen.
2. Darlehenshalber überlassene Aktien werden von dem Darlehensnehmer nur dann i.S.d. §§ 28, 22 Abs. 1 Nr. 2 WpHG „für Rechnung“ des Darlehensgebers gehalten, wenn dieser nach der vertraglichen Regelung weiterhin Einfluss auf die Stimmrechtsausübung nehmen kann.
3. Die Beschränkung der Anfechtungsbefugnis gem. § 245 Nr. 1 AktG auf Aktionäre, welche die Aktien vor Bekanntmachung der Tagesordnung erworben haben, findet im Fall eines Aktienerwerbs und erst recht im Fall einer Klageerhebung vor Inkrafttreten der Vorschrift (1.11.2005) keine Anwendung.
4. Die Anfechtung eines Übertragungsbeschlusses gem. § 327a Abs. 1 AktG konnte auch schon vor Inkrafttreten des § 243 Abs. 4 Satz 2 AktG (1.11.2005) nach Sinn und Zweck des § 327f Abs. 1 Satz 1, 2 AktG nicht auf abfindungsbezogene Informationsmängel gestützt werden (vgl. auch Senat BGHZ 146, 179 = ZIP 2001, 199).
5. § 327c Abs. 3 AktG verlangt nicht die Vorlage eines Konzernabschlusses.

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