ZIP 2016, Beilage zu Heft 22, S. 1

RWS Verlag Kommunikationsforum GmbH, Köln RWS Verlag Kommunikationsforum GmbH, Köln 0723-9416 Zeitschrift für Wirtschaftsrecht ZIP 2016 EditorialBruno M. Kübler

Hommage für eine Große ihres Fachs

Frau Dr. Katherine Knauth ist mit Ablauf des 31. Mai 2016 in den Ruhestand gegangen. Wie kann man das Wirken einer Chefredakteurin, die zum bleibenden Erfolg der mehr als 35 Jahre „alten“ wirtschaftsrechtlichen Fachzeitschrift ZIP – und ihrer kleinen Schwester, der EWiR – entscheidend beigetragen hat, besser würdigen als mit der Herausgabe eines ihr gewidmeten Festhefts! Es überrascht daher nicht, dass die Autoren, die der ZIP über die Jahre besonders eng verbunden sind und eingeladen wurden, einen Beitrag für das geplante Festheft beizusteuern, nahezu ausnahmslos dieser Einladung gefolgt sind. Die Umsetzung der im vergangenen Herbst geborenen Idee war angesichts eines gewissen Zeitdrucks und der notwendigen Beschränkung des Umfangs der Beiträge nicht ganz einfach. Den Autoren, die sich an den vorgegebenen Umfang gehalten haben, sei hierfür besonders gedankt. Sie mögen jedoch Nachsicht haben mit den Mitautoren des Festhefts, die den Rahmen maßvoll überschritten haben. Im Interesse der Geehrten wäre es nicht angemessen gewesen, die letzteren Beiträge zurückzuweisen.
26 Autoren haben dieses ZIP-Festheft im geeinten Bemühen gestaltet, Katherine Knauth für ihre langjährige Tätigkeit als Chefredakteurin zu danken. Dieses ihr gewidmete Festheft kann nur eine kleine Kompensation für die beeindruckende Leistung sein, die sie mit der Betreuung der ZIP und der EWiR als Chefredakteurin vollbracht hat.
Katherine Knauth hat nach dem Abitur im Jahr 1967 Rechtswissenschaften in Marburg, Genf und Köln studiert und ihr erstes und zweites Staatsexamen jeweils mit Prädikat bestanden. Nur wenige Tage nach dem zweiten Staatsexamen wurde sie mit einer noch während der Referendarzeit verfassten Dissertation bei Prof. Dr. Peter Hanau an der Universität zu Köln promoviert. Unmittelbar anschließend, im Herbst 1977, begann Katherine Knauth als Lektorin bei der Verlag Dr. Otto Schmidt KG in Köln und blieb dies nahezu 25 Jahre. Einige Jahre war sie zugleich auch Geschäftsführerin des zur Verlagsgruppe Dr. Otto Schmidt KG gehörenden Aschendorff Rechtsverlags.
Im August 2001 trat Katherine Knauth in die Dienste des RWS Verlags und stand damit bis zu ihrem Ausscheiden vor wenigen Tagen fast 15 Jahre in der Verantwortung als Chefredakteurin. Moderne Kommunikationsmittel erlaubten es, dass sie ihrer Tätigkeit weitgehend nicht am Sitz des Verlags, sondern in ihrer seit der Jahrtausendwende neuen Wahlheimat Potsdam nachgehen konnte. Der Qualität ihrer Arbeit und ihrem Engagement hat dies zu keinem Zeitpunkt Abbruch getan. Bei den Autoren des Verlags, namentlich den Autoren der ZIP, hat Katherine Knauth große Anerkennung erfahren. Sie hat ein untrügliches Gespür für Wissenschaft und Praxis gleichermaßen interessierende Themen und die Fähigkeit, den Autoren, die sich für ein Thema eigneten, den vielfach notwendigen Anstoß zu geben. Mit Charme und Hartnäckigkeit gelang es ihr, Referenten, die sie auf Kongressen, Kolloquien, Jahrestagungen oder Seminaren erlebte, unmittelbar im Anschluss an die Veranstaltung dazu zu „vergattern“, wie sie es mitunter salopp nannte, ihren Vortrag in einen Fachbeitrag für die ZIP umzuwandeln. Auf diese Weise sind viele interessante ZIP 2016, Beilage zu Heft 22, S. 2ZIP-Aufsätze entstanden, häufig auch aus Anlass aktueller Rechtsprechung. Entsprach ein angebotenes Thema nicht uneingeschränkt dem Profil der ZIP, gab Katherine Knauth das Manuskript nach Möglichkeit mit Empfehlung an die Redaktionen der Schwesterzeitschriften ZVI oder ZBB weiter.
In der regelmäßigen sonntäglichen Kommunikation mit dem Geschäftsführenden Herausgeber – sei es in Telefonaten oder im E-Mail-Verkehr – war Ausgangspunkt stets eine von der Chefredakteurin vorbereitete pointierte fachliche Kurzeinschätzung der neu eingegangenen Beiträge. Hierbei hat Katherine Knauth stets das Profil der Zeitschrift, d. h. den gleichbleibend hohen Anspruch der ZIP-Leserschaft und die Praxisnähe vor Augen gehabt. Bei einem Großteil der Beiträge bestand in der Ersteinschätzung „eitel Harmonie“ zwischen der Chefredakteurin und dem Geschäftsführenden Herausgeber. Aber es gab natürlich auch Dissens. Hier setzte sich der Geschäftsführende Herausgeber aufgrund seiner hauptberuflichen Spezialisierung auf dem Gebiet des Insolvenzrechts häufig durch, beim Gesellschafts- sowie im Bank- und Kapitalmarktrecht dominierte dagegen die Chefredakteurin. Letztlich konnte im Endergebnis stets eine Einigung gefunden werden, ohne dass irgendwelche Blessuren verblieben.
Die eingereichten Aufsätze unterzog Katherine Knauth einer strengen Prüfung im Detail. Sie scheute sich nicht, ungeeignete Manuskripte den Autoren freundlich und bestimmt zurückzusenden oder inhaltlich schlüssigen Texten selbst den besseren sprachlichen Schliff zu geben. Die vielfache Erfahrung zeigte, dass je höher das wissenschaftliche Ansehen eines Autors war, er umso souveräner Korrekturen oder Feinschliff der Chefredakteurin akzeptierte.
Ebenso unerbittlich forderte Katherine Knauth auch die fristgerechte Abgabe von zugesagten Manuskripten ein. All dies hat ihr mitunter viel abverlangt. So schrieb sie einst kurz vor Abschluss der Lektorierung eines Beitrags an den Geschäftsführenden Herausgeber: „… im Übrigen habe ich mich, was Grausamkeiten anbelangt, verausgabt. Jetzt ist die Devise nur noch: Augen zu und durch … Wenn ich nur schon die Finalfassung mit den jetzt noch offenen Fundstellen hätte…“ – ein Stoßseufzer aus dem Leben einer Chefredakteurin. Doch trotz ihrer enormen zeitlichen Belastung scheute sich Katherine Knauth nicht, zusätzliche Aufgaben zu übernehmen, wie beispielsweise die Lektorierung der Startauflage des im RWS Verlag erschienenen „Handbuch Restrukturierung in der Insolvenz“.
Das Abschiednehmen von Katherine Knauth als Chefredakteurin fällt in eine Zeit rasanter Entwicklungen des Insolvenz- und Restrukturierungsrechts auf europäischer Ebene und in eine Phase, in der neue Medien stärker denn je die Verlagslandschaft prägen. Verlag und Herausgeber danken Katherine Knauth für viele Jahre herausragend geleisteter Arbeit an der Redaktionsspitze. Sie hat maßgeblich dazu beigetragen, das hohe Niveau der ZIP als etablierte wirtschaftsrechtliche Fachzeitschrift zu halten und weiter auszubauen. Wir freuen uns, dass sich die Geehrte, von Zeitzwängen befreit, jetzt neuen Interessen zuwenden kann. Persönliches Wohlergehen und eine stabile Gesundheit mögen sie in den kommenden Jahren begleiten.
 
Köln, den 3. Juni 2016
RWS Verlag Kommunikationsforum GmbH
Dr. Bruno M. Kübler
Geschäftsführender Herausgeber ZIP/EWiR