ZIP 2006, 1084

RWS Verlag Kommunikationsforum GmbH, KölnRWS Verlag Kommunikationsforum GmbH, Köln0723-9416Zeitschrift für WirtschaftsrechtZIP2006RechtsprechungBank- und KreditsicherungsrechtBGB § 123; VerbrKrG a.F. § 4 Abs. 1, § 6 Abs. 1, 2, § 9 Abs. 1, 3Zu den Rechten des Kreditnehmers bei arglistiger Täuschung durch den Vermittler eines kreditfinanzierten ImmobilienfondsbeitrittsBGB§ 123VerbrKrG§ 4VerbrKrG§ 6VerbrKrG§ 9BGH, Urt. v. 25.04.2006 – XI ZR 106/05 (OLG Karlsruhe) +BGHUrt.25.4.2006XI ZR 106/05OLG Karlsruhe

Leitsätze des Gerichts:

1. Nach § 6 Abs. 1 VerbrKrG ist ein Kreditvertrag nur dann nichtig, wenn die in § 4 Abs. 1 Satz 4 Nr. 1 Buchst. b VerbrKrG vorgeschriebene Gesamtbetragsangabe völlig fehlt, nicht jedoch, wenn sie falsch ist.
2. Ein wegen fehlender Gesamtbetragsangabe nichtiger Darlehensvertrag wird gem. § 6 Abs. 2 Satz 1 VerbrKrG gültig, wenn dem Kreditnehmer die Darlehensvaluta nicht direkt zugeflossen, sondern vertragsgemäß unmittelbar an einen Treuhänder zwecks Erwerbs eines Fondsanteils ausgezahlt worden ist. Das gilt auch dann, wenn Darlehensvertrag und Fondsbeitritt ein verbundenes Geschäft gem. § 9 Abs. 1 VerbrKrG darstellen (Abweichung von BGHZ 159, 294 = ZIP 2004, 1394; BGH, Urt. v. 14.6.2004 – II ZR 407/02, WM 2004, 1536 und BGH, Urt. v. 21.3.2005 – II ZR 411/02, ZIP 2005, 750 = WM 2005, 843).
3. Ist ein Darlehensnehmer durch falsche Angaben zum Erwerb einer Fondsbeteiligung bewogen worden, kann er bei Vorliegen eines verbundenen Geschäfts i.S.v. § 9 Abs. 1 VerbrKrG auch der die Fondsbeteiligung finanzierenden Bank seine Ansprüche gegen die Fondsgesellschaft entgegenhalten und gem. § 9 Abs. 3 VerbrKrG die Rückzahlung des Kredits verweigern, soweit ihm gegen die Fondsgesellschaft ein Abfindungsanspruch zusteht (Bestätigung von BGHZ 156, 46 = ZIP 2003, 1592 und Senatsurt. v. 23.9.2003 – XI ZR 135/02, ZIP 2003, 2111 = WM 2003, 2232 f.).
4. Ansprüche gegen Gründungsgesellschafter, Fondsinitiatoren, maßgebliche Betreiber, Manager und Prospektherausgeber kann der Kreditnehmer nicht gem. § 9 Abs. 3 VerbrKrG dem Rückzahlungsverlangen der Bank entgegensetzen (Abweichung von BGHZ 159, 280, 291 f. = ZIP 2004, 1402; BGHZ 159, 294, 312 f. = ZIP 2004, 1394 = ZfIR 2004, 626; BGH, Urt. v. 14.6.2004 – II ZR 392/01, WM 2004, 1518 und BGH, Urt. v. 14.6.2004 – II ZR 374/02, ZIP 2004, 1407 = WM 2004, 1525, 1526; BGH, Urt. v. 25.10.2004 – II ZR 373/01, BKR 2005, 73, 74; BGH, Urt. v. 6.12.2004 – II ZR 394/02, ZIP 2005, 567 = WM 2005, 295, 297; BGH, Urt. v. 31.1.2005 – II ZR 200/03, ZIP 2005, 565 = WM 2005, 547 und BGH, Urt. v. 21.3.2005 – II ZR 411/02, ZIP 2005, 750 = WM 2005, 843, 845).
5. Ist ein Darlehensnehmer durch falsche Angaben zum Erwerb einer Fondsbeteiligung bewogen worden, kann er auch den mit dem Anlagevertrag gem. § 9 Abs. 1 VerbrKrG verbundenen Darlehensvertrag nach § 123 BGB anfechten, wenn die Täuschung auch für dessen Abschluss kausal war. Den daneben bestehenden Anspruch aus Verschulden bei Vertragsschluss gegen den Vermittler kann der Darlehensnehmer ebenfalls gegen die kreditgebende Bank geltend machen, da der Vermittler bei einem verbundenen Geschäft nicht Dritter i.S.v. § 123 Abs. 2 BGB ist.

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