ZIP 2016, 1348

RWS Verlag Kommunikationsforum GmbH, Köln RWS Verlag Kommunikationsforum GmbH, Köln 0723-9416 Zeitschrift für Wirtschaftsrecht ZIP 2016 RechtsprechungVertrags- und Haftungsrecht BGB §§ 133, 157, 433 Abs. 2; AVBEltV § 4 Abs. 1, 2; StromGVV § 5 Abs. 2; RL 2003/54/EG Art. 3 Abs. 5Kein gesetzliches Preisänderungsrecht des Stromversorgers gegenüber Tarifkunden (Änderung der Rspr.) BGB§ 133 BGB§ 157 BGB§ 433 AVBEltV§ 4 StromGVV§ 5 RL 2003/54/EGArt. 3 BGH, Urt. v. 06.04.2016 – VIII ZR 211/10 (LG Münster)BGHUrt.6.4.2016VIII ZR 211/10LG Münster

Leitsätze des Gerichts:

1. § 4 Abs. 1 und 2 AVBEltV und § 5 Abs. 2 StromGVV sind mit den Transparenzanforderungen der Strom-RL 2003/54/EG nicht vereinbar (Anschluss an EuGH, Urt. v. 23. 10. 2014 – Rs C-359/11 und C-400/11, ZIP 2014, 2192 = NJW 2015, 849 – Schulz und Egbringhoff).
2. § 4 Abs. 1 und 2 AVBGasV und § 5 Abs. 2 StromGVV (i. d. F. bis zum 29. 10. 2014 (BGBl I, 2391), im Folgenden: StromGVV a. F.) kann daher ein gesetzliches Recht des Stromversorgungsunternehmens, gegenüber Tarifkunden die Preise einseitig nach billigem Ermessen zu ändern, nicht (mehr) entnommen werden (insoweit Aufgabe der Senatsrechtsprechung; Urt. v. 28. 3. 2007 – VIII ZR 144/06, BGHZ 171, 374, 378 = ZIP 2007, 912, dazu EWiR 2007, 619 (Büdenbender); Beschl. v. 29. 6. 2011 – VIII ZR 211/10, ZNER 2011, 435, Rz. 17).
3. Ein den Transparenzanforderungen der Strom-RL 2003/54/EG entsprechendes Preisänderungsrecht kann nicht aus einer richtlinienkonformen Auslegung des § 4 Abs. 1 und 2 AVBEltV bzw. des § 5 Abs. 2 StromGVV a. F. oder der die Grundversorgung betreffenden Vorschriften des EnWG hergeleitet werden, da eine solche Auslegung über den erkennbaren Willen des nationalen Gesetz- und Verordnungsgebers hinausginge.
4. Die hierdurch im Tarifkundenvertrag eingetretene Regelungslücke ist im Wege einer gebotenen ergänzenden Vertragsauslegung (§§ 157, 133 BGB) dahin gehend zu schließen, dass das Stromversorgungsunternehmen berechtigt ist, Kostensteigerungen seiner eigenen (Bezugs-)Kosten, soweit diese nicht durch Kostensenkungen in anderen Bereichen ausgeglichen werden, an den Tarifkunden weiterzugeben, und das Stromversorgungsunternehmen verpflichtet ist, bei einer Tarifanpassung Kostensenkungen ebenso zu berücksichtigen wie Kostenerhöhungen. Der nach dieser Maßgabe berechtigterweise erhöhte Preis wird zum vereinbarten Preis. Für eine zusätzliche Billigkeitskontrolle gem. § 315 BGB ist deshalb kein Raum.

Anmerkung der Redaktion:

Hinsichtlich der Gasversorgung hatte der BGH bereits mit Urteil vom 28. 10. 2015 – VIII ZR 158/11, ZIP 2015, 2226, dazu EWiR 2016, 111 (Rottnauer), unter Aufgabe seiner bisherigen Rechtsprechung ein gesetzliches Preisänderungsrecht des Versorgers gegenüber Tarifkunden verneint.

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