ZIP 2020, 2068

Verlag Dr. Otto Schmidt KG, Köln Verlag Dr. Otto Schmidt KG, Köln 0723-9416 Zeitschrift für Wirtschaftsrecht ZIP 2020 RechtsprechungVertrags- und HaftungsrechtBGB § 305 Abs. 1, § 305c Abs. 2, § 309 Nr. 5 lit. aUnwirksamkeit von AGB mit Einbeziehung eines nicht ersatzfähigen Schadens in Schadenspauschale (hier: Inkassokostenpauschale eines Energieversorgers) BGB§ 305 BGB§ 305c BGB§ 309 BGH, Urt. v. 10.06.2020 – VIII ZR 289/19 (OLG München)BGHUrt.10.6.2020VIII ZR 289/19OLG München

Leitsätze des Gerichts:

1. Bei der Auslegung Allgemeiner Geschäftsbedingungen sind regelmäßig auch Formularklauseln eines „Gesamtklauselwerks“, die mit der Klausel inhaltlich zu einer Einheit verbunden sind, zu berücksichtigen (im Anschluss an BGH, Urt. v. 5. 11. 1991 – XI ZR 246/90, ZIP 1991, 1566 = NJW 1992, 180, unter 3 b; v. 10. 2. 1993 – XII ZR 74/91, NJW 1993, 1133, unter II 2 c; v. 14. 3. 2012 – VIII ZR 202/11, ZIP 2012, 1036 = NJW-RR 2012, 1333, Rz. 19 ff.; v. 18. 7. 2012 – VIII ZR 337/11, BGHZ 194, 121 = ZIP 2012, 2064, Rz. 18 f.). Mit „Gesamtklauselwerk“ ist jedoch grundsätzlich nur der Kontext gemeint, den das Klauselwerk setzt, in dem die auszulegende AGB aufgeführt ist, nicht dagegen Bestimmungen, die in gesonderten Urkunden niedergelegt sind und auf die die auszulegende Klausel nicht Bezug nimmt.
2. Der Grundsatz der kundenfeindlichsten Auslegung führt dazu, dass bei einer mehrdeutigen Klausel von den möglichen Auslegungen diejenige zugrunde zu legen ist, die zur Unwirksamkeit der Klausel führt (im Anschluss an BGH, ZIP 2020, 2069Urt. v. 29. 4. 2008 – KZR 2/07, BGHZ 176, 244, Rz. 19; v. 21. 4. 2009 – XI ZR 78/08, BGHZ 180, 257 = ZIP 2009, 1106, Rz. 31, 11; v. 18. 3. 2015 – VIII ZR 185/14, BGHZ 204, 302, Rz. 22; v. 23. 8. 2018 – III ZR 192/17, ZIP 2018, 1934 = NJW 2019, 47, Rz. 16; jew. m. w. N.).
3. Bezieht eine Formularklausel einen nicht ersatzfähigen Schaden in die Pauschale ein, ist sie nach § 309 Nr. 5 lit. a BGB unwirksam, weil die Schadenspauschale dann generell überhöht ist (im Anschluss an Senatsurt. v. 26. 6. 2019 – VIII ZR 95/18, ZIP 2020, 323 = EnWZ 2019, 351, Rz. 18 m. w. N.).
4. Dies ist der Fall, wenn ein Energieversorgungsunternehmen in die von ihm berechnete Inkassokostenpauschale den für die Schadensermittlung und die außergerichtliche Abwicklung seines Schadensersatzanspruchs anfallenden und somit grundsätzlich von ihm selbst zu tragenden Arbeits- und Zeitaufwand in die Pauschale einfließen lässt. Daran ändert der Umstand nichts, dass es diese Tätigkeiten durch Schwestergesellschaften erledigen lässt (Anschluss und Fortführung von Senat ZIP 2020, 323 = EnWZ 2019, 351, Rz. 19 ff.).

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