ZIP 2018, 151

RWS Verlag Kommunikationsforum GmbH, Köln RWS Verlag Kommunikationsforum GmbH, Köln 0723-9416 Zeitschrift für Wirtschaftsrecht ZIP 2018 KolumneProf. Dr. Reinhard Bork, Hamburg

Hanns Prütting zum 70. Geburtstag

Am 22. 1. 2018 hat Hanns Prütting seinen 70. Geburtstag gefeiert. Wer ihn kennt, hält das für eine unglaubwürdige Nachricht. Wer wie der Jubilar so kraftvoll, voller Elan, wissenschaftlich umtriebig und vor Ideen sprühend durchs Leben geht, erweckt kaum den Eindruck eines Pensionärs. Als solcher will er sicher auch nicht verstanden sein. Hanns Prütting blickt auf ein beachtliches Lebenswerk zurück, aber es ist kaum anzunehmen, dass er sich damit zufrieden geben wird.
Geboren, aufgewachsen und wissenschaftlich ausgebildet in Erlangen, hat er sich 1981 bei Karl Heinz Schwab mit einer Arbeit über „Gegenwartsprobleme der Beweislastlehre unter besonderer Berücksichtigung des Arbeitsrechts“ habilitiert und damit den Grundstein für eine beeindruckende Karriere gelegt. Unter Ablehnung von Rufen nach Göttingen, München und Münster nahm er 1982 einen Ruf auf einen prozess- und arbeitsrechtlichen Lehrstuhl an die Universität des Saarlandes nach Saarbrücken an. 1985 wechselte er, dieses Mal unter Ablehnung eines Rufes nach Hamburg, als Nachfolger von Gottfried Baumgärtel an die Universität zu Köln und trat dort in die Leitung des Instituts für Verfahrensrecht ein, wo er trotz eines verlockenden Angebots aus Tübingen bis zu seiner Emeritierung im Jahre 2016 geblieben ist.
Die Publikationsliste von Hanns Prütting umfasst derzeit 563 Positionen. Mit Sicherheit werden in den nächsten Jahren weitere dazu kommen. Auch dem RWS Verlag ist der Jubilar seit langen Jahren verbunden. Er ist Mitherausgeber der ZIP und Autor sowie (zusammen mit Bruno M. Kübler und dem Verfasser) Mitherausgeber eines InsO-Kommentars. Er hat im RWS Verlag etliche weitere Werke verfasst und herausgegeben und ist in der ZIP immer wieder mit weiterführenden Aufsätzen präsent. Schaut man sich sein wissenschaftliches Werk genauer an, so besticht es durch mehrere Faktoren:
Zum Ersten: Hanns Prütting hat das Verfahrensrecht stets in seiner vollen Breite ausgeschöpft. Er hat sich nicht etwa auf das Erkenntnisverfahren nach der ZPO beschränkt, sondern einen weiten Bogen gespannt, angefangen beim Erkenntnisverfahren der streitigen, freiwilligen und Arbeitsgerichtsbarkeit über das Europäische Zivilverfahrensrecht bis hin zum Vollstreckungs- und insbesondere zum nationalen und internationalen Insolvenzrecht sowie zum Mediations-, Anwalts- und Rechtsdienstleistungsrecht. Es gibt kaum ein Mitglied der Zivilprozessrechtslehrervereinigung, deren Vorstandsmitglied (1994 bis 2002) und Vorsitzender (2002 bis 2012) er war, das die Facetten des Verfahrensrechts so gründlich ausgeleuchtet und es so umfassend beackert hat wie er. Daneben ist auch das materielle Recht nicht zu kurz gekommen, wovon vor allem ein beliebtes Lehrbuch zum Sachenrecht, ein hoch informativer Handkommentar zum BGB sowie die Kommentierung des Bürgschaftsrechts im juris-Praxiskommentar zeugen.
Zum Zweiten: Er hat die grenzüberschreitenden Dimensionen des Rechts immer mit im Blick gehabt. Besonders hervorzuheben sind hier seine Mitarbeit in der Storme-Kommission, die sich sechs Jahre lang mit der Schaffung einer Europäischen Zivilprozessordnung befasst hat, sowie seine Gastprofessuren in Kyoto, Tokio und Paris, seine Präsidentschaft der Deutsch-Australischen Juristenvereinigung, seine Mitgliedschaft in der EU-Arbeitsgruppe zur Revision des Europäischen Gerichtsstands- und Vollstreckungsübereinkommens, in der Task Force for the Reform of the Greek Civil Procedure und im Herausgeberbeirat der brasilianischen Zeitschrift für Zivilprozess. Es passt ins Bild, dass er sich im April 2008 an der Gründung des Instituts für Internationales und Europäisches Insolvenzrecht an der Universität zu Köln beteiligte, das er lange Jahre geleitet hat. Die Ehrendoktorwürde der Universität Athen würdigt dieses internationale Interesse und Engagement in eindrucksvoller Weise.
Zum Dritten: Hanns Prütting hat immer sehr praxisorientiert gearbeitet. Reine Elfenbeinturmwissenschaft ist seine Sache nicht. Ungeachtet der dogmatischen Tiefe seiner Arbeiten, die immer höchsten Ansprüchen genügt und ihm die Mitgliedschaft in der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften in Erfurt sowie in der Rheinisch-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und Künste in Düsseldorf eingebracht hat, hat er sich stets um praxistaugliche, umsetzbare und zur Konfliktbeilegung geeignete Lösungen bemüht. Das hat sich auch in zahlreichen rechtspolitischen Aktivitäten niedergeschlagen, etwa in seiner Tätigkeit in der Kommission des Bundesjustizministeriums zur Erarbeitung eines Konzerninsolvenzrechts oder im Beirat des Bundesjustizministeriums zur Evaluation der Freiwilligen Gerichtsbarkeit. Vor allem aber dokumentiert sich diese Praxisorientierung in der Gründung des Instituts für Anwaltsrecht an der Universität zu Köln im Jahre 1989, mit der die Aufarbeitung und Fortentwicklung eines bis dahin eher stiefmütterlich behandelten, aber praktisch enorm wichtigen Rechtsgebiets maßgeblich vorangetrieben wurde.
Zum Vierten: Der Jubilar hat sich nie gescheut, „heiße Eisen“ anzupacken. Themen, die das Fachkollegium eher mied oder nur mit spitzen Fingern anfasste, ging er mit souveränem Engagement und auch durchaus kämpferischen Herzens an. Publikationstitel wie „Rechtsmittelreform 2000 – oder: Der Staat spart und der Rechtsstaat leidet“ (2000), „Rechtsberatung zwischen Deregulierung und Verbraucherschutz“ (2004), „Die Vertretung einer Gewerkschaft im Betrieb – Geheimverfahren zum Nachweis der Voraussetzungen“ (1989), „Die Bestellung des Insolvenzverwalters“ (2001) oder „Eigenständiges Berufsrecht für Insolvenzverwalter“ (2015) legen davon ein beredtes Zeugnis ab.
Hanns Prütting ist ein hellwacher, brillanter Vertreter seiner Zunft. Seine Studierenden schätzen ihn als begeisternden Lehrer, seine Schüler als großzügigen und fachlich wie intellektuell bereichernden Mentor. Die Kollegenschaft freut sich über seine ungebrochene Schaffenskraft und ein ebenso humorvolles wie zugewandtes Mitglied der akademischen Gemeinschaft, dem man nur zurufen kann: Ad multos annos!

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